Die Berliner Polizei und ihr kleines Gewaltproblem (UPDATE)

brutaler Polizeiübergriff, 5. Juli 2014, Berlin Kreuzberg

Am 5. Juli überwältigten mehrere Polizisten einen Mann, der sie angeblich in ihren Ermittlungen im Görlitzer Park behindert haben sollte. Das folgende Video zeigt das brutale Vorgehen der Beamten und hinterlässt Spuren schlechter Laune.

Ich finde kaum etwas nervt mehr, als auf Polizisten herumzuhacken. Sie haben einen scheiß Job, sind dafür nicht sonderlich gut bezahlt und müssen sich Tag für Tag beschimpfen lassen. Das Image der Polizei nimmt schon bei Demos gerne Schaden, wenn sie auch nur rumstehen. Deswegen hat die Berliner Polizei ein ganz arges Problem, denn in diesem Video sehen wir eine Handvoll Polizisten, die sämtliche Vorurteile bestätigen und damit ein ganzes Berufsbild unter Beschuss nehmen. Dass die Freundin und ein völlig fremder Fahrradfahrer, der versucht sie zurückzuhalten, mit Pfefferspray bearbeitet werden, scheint für die Polizei ebenso normal zu sein, wie der Versuch dem Mann mit einem Straßenpoller das Bei zu brechen, oder sich auf das Genick des Opfers zu knien.

Der Polizist bei Minute 3:51, der mit einem Schlagstock und einer Körperhaltung bewaffnet ist, die danach schreit „GREIFT MICH JETZT ENDLICH JEMAND AN?!“, gab mir den Rest. Ich verspüre gerade einen üblen Hass gegen die Polizei und es ist ein falsches Gefühl. Hier haben einige Beamte überreagiert und sollten mit Konsequenzen rechnen, die jeder „normale“ Bürger auch bei Körperverletzung tragen sollte. Diese Menschen sollten nie wieder in die Nähe einer Waffe gelangen dürfen und höchstens in einem 1€ Laden an der Kasse sitzen. Ich habe jetzt Angst vor der Polizei und ich bin mir ziemlich sicher, dass man hier in Deutschland eigentlich keine Angst vor der Polizei haben sollte.

(Hier das Video bei Vimeo, nachdem bei Youtube eine Altersbeschränkung eingebaut wurde)

Immer wieder tauchen Argumente auf, wie: „Selbst Schuld. Hätte ja seinen Ausweis zeigen müssen.“, „Man weiß ja nicht was vorher passiert ist.“, „Wenn man auch gegenüber Polizisten handgreiflich wird, muss man sich auch nicht wundern.“
Kein einziges Argument hält auch nur eine Sekunde stand. Nichts, aber auch rein gar nichts rechtfertigt das Verhalten der Polizei. Das ist in etwa so, als würde man zusehen wie drei Erwachsene ein Kind zu Boden ringen und versuchen das Bein, die Rippen oder „aus Versehen“ das Genick zu brechen, weil das Kind nicht hören wollte. Selbst wenn das Kind zuvor die Erwachsenen bespuckt und getreten hätte, würde so ein Verhalten falsch sein. Und so ist es auch mit diesem Mann, der von der Polizei misshandelt wird.

Wen es aber interessiert: Der Mann hat tatsächlich vorher etwas getan. Er hat, laut Pressemitteilung der Polizei, gestört.

Bei Angriffen aus einer Gruppe von etwa 60 Personen heraus wurden gestern Nachmittag sechs Polizisten verletzt. Gegen 17.45 Uhr alarmierten Zeugen die Polizei zum Görlitzer Park, da zu diesem Zeitpunkt etwa 20 Personen in eine Schlägerei verwickelt waren. Im Park eingetroffen, sahen die Beamten einen 25-jährigen verletzten Mann, der am Ohr stark blutete. Bei der nun folgenden Sachverhaltsklärung mischten sich zunächst mehrere Personen, die kurz zuvor an einer Demonstration von Neukölln nach Kreuzberg teilgenommen hatten, lautstark in die Ermittlungen der Beamten ein. Darüber hinaus stellte sich ein 22-jähriger Mann den Beamten in den Weg und störte sie bei der Sachverhaltsaufklärung. Nachdem die Polizisten ihn vergeblich des Platzes verwiesen hatten und die Behinderungen anhielten, zog ein Beamter den Störenfried zur Seite, woraufhin sich eine Personengruppe von bis zu 60 Personen in das Geschehen einmischte und die Einsatzbeamten attackierte. Aus der Gruppe heraus wurden zwei Fahrräder gegen die Beamten geschleudert, wodurch ein Polizist eine Kopfverletzung erlitt, die später in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden musste. Mit Unterstützung weiterer hinzugerufener Polizisten wurde die Personengruppe abgedrängt und zwei Männer im Alter von 32 und 46 Jahren sowie eine 33-jährige Frau festgenommen. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter Gefangenenbefreiung und schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Insgesamt sechs Beamte wurden bei den Angriffen verletzt.

via KFMW

UPDATE
Die Polizei nimmt inzwischen Stellung zu dem Video:

In der weiteren Folge nahmen die Beamten die Personalien des jungen Mannes auf und versuchten nun, den Sachverhalt aufzuklären und die Täter der gefährlichen Körperverletzung zu ermitteln. Hierbei wurden die Polizisten hartnäckig gestört. Der in dem Video zu sehende Mann, ein 22-Jähriger, behinderte die Beamten mehrfach bei ihrer Arbeit und verhinderte, dass die Beteiligten der Schlägerei ermittelt werden. Der Abgebildete erhielt nun einen Platzverweis, dem er nicht nachkam, so dass er weggeführt werden musste.

Falls also noch die Frage offen sein sollte, was auf dem Video nicht zu sehen ist und was der Grund dafür ist, dass man dem Mann so zugesetzt hat.
Er hat gestört.

10 Gedanken zu „Die Berliner Polizei und ihr kleines Gewaltproblem (UPDATE)“

  1. Ich stimme Dir da eigentlich voll zu. Die Beamten sind zu weit gegangen. Aber, wenn die Polizei eine Person festnehmen muss und diese sich dann mit Gewallt wehrt, dann ist die Polizei berechtigt, mit einem Mittelmaß an Gewalt dem entgegenzutreten. In diesem Fall hat die Person sich den Aufforderungen der Beamten wiedersetzt. Wie wir jedoch sehen, nicht mit übermäßiger Gewallt bzw. keiner. Da haben die Beamten auf jeden Fall falsch reagiert.

  2. Der Faustschlag auf den von zwei Kollegen zu Boden gedrückten war mir persönlich das übelste das ich je von einem Polizisten mit Migrationshintergrund gesehen habe und bestätigt mein bisheriges Vorurteil, das die so genannte „deutsche Leitkultur“ jeden assimiliert der sie zu verteidigen einen Eid ablegt.

    Der den Einsatz offenbar leitenden, im Intro anhand seiner # identifizierten Polizisten schlägt in Sekunde 40 auf den sich noch gegen die beiden Beamten zur Wehr setzenden in dessen Bauch.

    Jemand in den Bauch zu schlagen, dessen Bewegungsfreiheit ohnehin schon eingeschränkt ist, kann nicht dazu gedient haben, ihm die Flucht zu verbauen.

    Es kann auch nicht der Personalienfeststellung dienen, da jemand mit geballter Faust in den Bauch zu schlagen, da derjenige sich daraufhin entweder verteidigt oder, wie im Video zu sehen, vor Schmerzen zusammen zuckt. Der Faustschlag kann auch nicht der Sicherheit der beiden Beamten dienen, die zu dem Zeitpunkt allerhöchstens eine Abschürfung zu befürchten hätten, wenn sie weiter auf dem Passanten thronen wollen würden.

    Es kann sich um zweierlei handeln, vielleicht auch um beides: 1. einen Akt von Aggressionsabbau handeln. Und man möge mich korrigieren, aber wir haben der Polizei nicht das Gewaltmonopol übertragen, damit die das ausüben um ihre bei den Einsätzen aufgestauten Aggressionen abzubauen. 2. könnte es tatsächlich schon den Versuch einer Eskalationsstrategie, der Einsatz kostet die Stadt jetzt schließlich schon ziemlich viel Geld und sollte bald beendet werden, im besten Fall durch einen dann gewalttätigen aber verhältnismäßigen Einsatz gegen Gewalttäter. Aber die müsste man ja erstmal konstruieren.

    Und ja, noch einen dritten Fall: Möglicherweise sind die Beamten schlicht überfordert mit dem Rechtsstaat.

  3. Günstig, dass das Video so geschnitten ist, dass gar keine Handlungen gegen die Polizei zu sehen sind. Und zwar sowohl vor der Fixierung des Mannes, mittendrin, als auch danach. Natürlich liest sich die Gegendarstellung der Polizei naturgemäß ganz anders, aber mit dem passgenauen Schnitt wirkt mir das Video doch sehr seltsam und zu sehr instrumentalisiert. Im Übrigen lässt es sich immer leicht daherreden, wenn man nicht im Zentrum eines unberechenbaren Mobs steht…

    1. Das ist so nicht ganz richtig. Man sieht zum Beispiel ein Fahrrad fliegen.

      Davon einmal abgesehen liest sich die Stellungnahme der Polizei so, als wären sie an einem ganz anderen Ort gewesen.

      Und was das leicht Daherreden angeht: Damit bestätigst du die Stellung derjenigen, die von den Polizisten geschockt sind: Es ist leicht daherzureden, wenn man nicht mittendrin steht: „Hätte er mal seinen Ausweis gezeigt!“, „Hätte er sich eben nicht gewehrt!“, „Hätte er die Polizei nicht provoziert!“
      Alles blödsinn, verglichen mit den Maßnahmen, die das Video zeigt. Und es kann noch so reißerisch geschnitten sein: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Polizisten den Mann am Boden mit dem Knie getreten, das Bein verdreht und mit einem Nierenschwinger maltretiert haben. So etwas kann man nicht schneiden. Wenn es Polizisten gibt, die so leicht die Nerven verlieren, sollen sie sich einen anderen Job suchen.

      1. Der Beamte, der das Fahrrad abbekommt reagiert doch sehr besonnen.

        Klar, natürlich lässt es sich ebenso leicht daherreden, wenn man nicht selber auf dem Boden gelegen hat. Aber warum widersetzt er sich? Warum lässt er (vorher) die Beamten nicht in Ruhe ihre Arbeit machen? Warum hält er sich nicht an einen ausgesprochenen Platzverweis als mildes Rechtsmittel? Ich versteh‘ diese (respektlose) Grundhaltung nicht. Aufgrund dieser nicht zu sehenden Vorgeschichte ist auch keine Willkür der Beamten zu erkennen. Ich sehe ebenso keine übermäßige Gewalt der Beamten; die fixieren ihn nur mit den Knien und versuchen ihn letztlich abzuführen.

      2. Ich weiß natürlich nicht warum er nicht weggegangen ist. Vielleicht ist er eine Nervensäge. Vielleicht hat er einfach eine andere Einstellung zur Polizei. Vielleicht ist es seine Art zu protestieren. Ich weiß es nicht. Alles nicht angenehm, aber lange kein Grund ihn so zu behandeln.

        Ich verstehe es, wenn die Polizei angegriffen wird, dass sie sich verteidigen möchte. Das ist vollkommen legitim und wenn ich mir die Spinner und Arschlöcher aus dem Schwarzen Block anschaue, dann kann ich auch den Hass verstehen, den manche Polizisten verspüren, wenn sie in der ersten Reihe stehen und im besten Fall nur Bierflaschen ausweichen müssen.
        Dieser Mann hat aber niemanden bedroht, sondern einfach nur genervt. Es hätte vollkommen ausgereicht ihn abzuführen (so wie es in der Stellungnahme der Polizei verlogenerweise dargestellt wurde), ins Auto zu packen, oder von mir aus auch mit Handschellen aufs nächste Revier zu bringen. All das was ich von einer gut ausgebildeten Polizei erwarte. Aber so etwas nicht.

  4. „Es hätte vollkommen ausgereicht ihn abzuführen (so wie es in der Stellungnahme der Polizei verlogenerweise dargestellt wurde), ins Auto zu packen, oder von mir aus auch mit Handschellen aufs nächste Revier zu bringen.“

    Genau das wird dort doch versucht. Der Kollege (und seine hysterische Alte, mein Gott dieses kranke Gekreische immer bei diesen Zecken…) lässt es halt mal auf eine Auseinandersetzung ankommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.