Wenn Du nur noch wenige Minuten zu leben hast

Durch Zufall entdeckte ich das Spiel „Orchids to Dusk“. Dieses kleine Kunstwerk wurde von Pol Clarissou und Marskye entwickelt, in Zusammenarbeit mit dem Indie-Stuio KO_OP. Es nimmt uns mit auf eine Reise durch Raum und Zeit, doch viel mehr ist es die Zeit die uns fehlt, denn sobald wir die Steuerung übernehmen dürfen, bleibt uns nur noch wenig davon übrig. Die Luft zum Atmen schwindet, der Tod ist gewiss. Was wir während unserer letzten Minuten daraus machen, bleibt uns selbst überlassen.

Bei „Orchids to Dusk“ handelt es sich um einen klassischen Walking Simulator. Ein Abenteuerspiel, das vom Erkunden seiner Welt lebt. Es gibt keine bombastischen Explosionen, keine kopfzerbrechenden Rätsel und keine gefühlvollen Zwischensequenzen, die die Story vorantreiben. Man läuft und lässt die wunderschön animierte Welt auf einen wirken. Die Grafik selbst ist recht einfach und subtil gehalten, aber sie wirkt in sich stimmig und sehr atmosphärisch. Auch wenn alles recht ähnlich aussieht, möchte man den unbekannten Planeten, auf dem man notgelandet ist erkunden. Doch wie eingangs erwähnt, die knappe Zeit ist unser ständiger Begleiter. Links am Bildschirmrand sehen wir unsere Sauerstoffanzeige, die schnell abnimmt. Je mehr wir uns bewegen, desto schneller sinkt die Anzeige, bleiben wir stehen, sinkt sie auch.

Story: In „Orchids to Dusk“ wird man direkt ins kalte Wasser geworfen. Der Ladebildschirm macht deutlich, dass wir in Gefahr sind und notlanden müssen. Die Welt in der wir wieder aufwachen scheint naturbelassen, friedlich und doch sehr fremd. Eine Welt in der wir keinen Platz haben sollen, aber die Hoffnung möchten wir nicht aufgeben. Wir könnten… Wir könnten uns setzen, unseren Helm abnehmen und unser Ende damit schneller herbeiführen, aber sollten wir das tun?


Gameplay: Gesteuert wird mit der Maus. Drücken wir die linke Maustaste, laufen wir vorwärts. Mit dem Bewegen der Maus, können wir unsere Laufrichtung beeinflussen und mit der rechten Maustaste, drehen wir uns direkt um und laufen in die andere Richtung.

Da nicht viel erklärt wird, bleiben gleich zu Spielbeginn viele Fragen offen. Wo kommen wir her? Wo wollten wir hin und vor allem, können wir trotz aller Gewissheit, dem Tod von der Schippe springen? Ich würde es mir wünschen, denn so gesichtslos die Hauptfigur erscheint, sie hat sogleich mein Herz erobert. Ich möchte ihr helfen, sie an die Hand nehmen und ihr in den letzten Atemzügen beistehen. Ich möchte ihr deutlich zeigen, dass sie nicht alleine ist und vielleicht ist das auch die Moral des Spiels: Wenn alles verloren scheint und das Ende naht. Niemand ist allein.
2016-05-23 (6)
Fazit: „Orchids to Dusk“ ist ein wundersames und wunderschönes Spiel zugleich. Es wiegt knapp 50 MB und kann sowohl für Windows als auch Mac und Linux heruntergeladen werden. Das Spiel ist kostenlos. Dennoch freuen sich die Entwickler über wohlgemeinte Spenden.

Innerhalb weniger Minuten hat man „Orchids of Dusk“ durchgespielt, aber die Zeit, die man quasi allein auf diesem verlassenen Planeten verbringt, hinterlässt bei mir einen sehr intensiven Eindruck und die Hoffnung, dass unser Astronaut doch noch überlebt, bleibt bis zum Ende bestehen. Ich werde es wieder spielen und vielleicht wird mein Astronaut es dann schaffen.

Wertung: 9 von 10 Atemzügen

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