MucVen: Mit dem Fahrrad über die Alpen (Teil 2: Das Fahrrad)

MucVen: Mit dem Fahrrad über die Alpen (Teil 2: Das Fahrrad)

Die letzten Touren habe ich mit „Fuhrie – Das Wunderrad“ bezwungen: Ein schwarzes Trekkingbike aus dem Hause KTM, das zwar „Light“ auf der Seite stehen hat, mit seinen knapp 20 Kilo allerdings eher so mitteldoll Spaß macht, wenn man bergauf fährt.

Ich suchte also nach einem leichten Rad, das sowohl einigermaßen geländegängig ist, als auch ein bisschen flotter unterwegs, da ich es in Zukunft für kürzere Touren im Umland benutzen möchte. Bei meiner Recherche stieß ich auf so genannte „Cyclocross“ Fahrräder. Ein Trend der sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Hype entwickelte, sodass man inzwischen auf keiner Fahrradmesse und keinem Fahrradblog mehr an diesen Rädern vorbeikommt. Der Clou: Sie sehen aus, als wären ein Rennrad, Roadbike und ein Mountainbike nach einer Flasche Vodka abgestürzt und hätten ein (wie ich finde) sehr hübsches Baby gezeugt.

Cyclocross zeichnen sich durch ihre Geschwindigkeit, Wendigkeit und Geländegängigkeit aus und waren lange Zeit die erste Wahl für mich. Nun ging es „nur noch“ darum das perfekte Stück für mich zu finden. Ich graste etliche Fahrradläden in Berlin ab (eine unvollständige Liste findet sich am Ende) und traf in einem von ihnen auf Bernd, dem ich mein Vorhaben schilderte. Seine Antwort: „Junge, du suchst nicht nach einem Cyclocross. Du willst ein Gravel Bike!“

Die Ursprünge des Gravel Bikes liegen in der Entwicklung der so genannten Endurance-Räder oder Road Bikes und kommen daher, dass man in den USA oft weite Strecken auf unbefestigten Schotterstraßen fährt. Ohne ins Detail gehen zu wollen (das können andere sowieso besser): Im Grunde hat das Ergebnis der durchzechten Nacht mit dem Mountainbike, Roadbike und Rennrad einen großen Bruder, der vielleicht nicht ganz so sportlich wie ein Cyclocross ist, aber dafür auf längere Strecken etwas mehr Komfort mit sich bringt.

Optisch unterscheidet sich der große Bruder in der Rahmengeometrie zum Cyclocross meistens dadurch, dass der dieser etwas länger ist, man nicht ganz so gebeugt sitzt und die Gabel weniger steil ist (läuft stabiler auf langen Strecken, ist dadurch geringfügig weniger wendig). Cyclocross liegen meistens auch etwas höher, was in der Natur der Sache liegt: Fährt man mehr durch den Wald, bleibt man mit dem Kettenblatt seltener an etwas hängen.

Grundsätzlich sind die Unterschiede kaum zu sehen und die Meinungen gehen sowieso weit auseinander. Nichts desto trotz hat mich überzeugt, dass man auf einem Gravelbike grundsätzlich ein wenig gemütlicher sitzt und das ist für längere Reisen einfach sinnvoller. Bei der ersten Recherche sind mir folgende Modelle hängengeblieben:

fuji-tread-13

Ich entschied mich zuletzt für das Fuji Tread 1.3. Zu verdanken hatte ich die Entscheidung den Bike Dudes, die einen kleinen Laden in Friedrichshain betreiben. Das Glück hielt allerdings nicht lange an. Nur vier Wochen nach dem Kauf, wurde das Fahrrad auf dem Alexanderplatz gestohlen. Um 19:00 abends. Direkt vor dem sehr hellen Saturn. Fickscheiße.

Genährt vom Hass und Folterfantasien, schrieb ich die Tour beinahe ab und vergrub mich wochenlang in Selbstmitleid. Ich verstand nicht wie jemand einfach etwas wegnehmen kann, was nicht ihm gehört. Wie konnte man mir das Fahrrad stehlen, für das ich so lange gespart hatte und vor allen Dingen, das ich so lange gesucht hatte?

So verging die Zeit und zwei Monate vor der Tour riss ich mich zusammen und startete den nächsten Rechercheanlauf. Anstatt das gleiche Fahrrad noch einmal zu kaufen, besuchte ich noch einmal Laden für Laden, in der Hoffnung etwas noch viel tolleres zu finden, als den Tread 1.3. Irgendwann stieß ich auf den Laden Goldsprint, in der Nähe des Treptower Parks.

Die Jungs von Goldsprint haben relativ früh begriffen, dass die Nische des Reisens mit Rädern, die ohne Asphalt unter den Rädern noch Spaß machen müssen und mit leichtem Gepäck unterwegs sind, ziemlich unterbesetzt ist. Und so öffneten sie Ende April einen zweiten Laden in Friedrichshain: The Gentle Jaunt:

The Gentle Jaunt is Berlin’s new place for the laid-back cycling- and outdoor-enthusiast. We provide a fine selection of bicycles for daily commuting as well as for gravel-, travel- and CX-adventures. Beyond the wheels, we will equip you with neat pieces of outdoor gear and you’ll be served some exquisite coffee for post-ride recovery.
We want you to grab your friends, pack a tent and spend the weekend out there riding and fooling around. No competition, It’s all about having a good time and find recreation from the madness we call everyday life.

Alex, von TGJ, verstand sofort was für ein Fahrrad ich brauche und fasste die Auswahl auf folgende zwei Räder zusammen:

Leider ist meine erste Wahl, das Four Corners Elite, momentan nicht in meiner Größe verfügbar, also bestellte er meinen neuen, besten Freund „Darwin“.

The Light Blue - Darwin

Darwin ist ziemlich groß, und schlank und ungewohnt zu fahren: Die hohe, bequeme Sitzposition erinnert mich an „Fuhrie – Das Wunderrad“, allerdings ohne das Gefühl wie ein Brett im Wind zu stehen. Ein klein wenig sportlicher, als auf einem Trekkingbike, allerdings ohne das Gefühl zu haben, auf einem Rennrad zu sitzen. Ich hatte ein wenig Bedenken, ob ich auf einer längeren Fahrt in einer unbequemen Haltung zu verfallen, allerdings zeigte sich bei der Generalprobe, dass die Angst vollkommen unberechtigt ist.

Bevor ich mich als blutiger Anfänger in die Alpen stürze, wollte ich mit einer kurzen Tour auf den Harzer Brocken testen, ob ich nicht doch lieber mal eben ins Brandenburger Umland fahre, statt über die Alpen. s stellte sich heraus, dass die Körperhaltung nicht das Problem ist (im Gegenteil). Auch nicht die erwarteten platten Reifen, Knieschmerzen oder versagende Muskeln und Ausdauer. Ich verirrte mich einfach nur, trotz mehrerer Offlinekarten verschiedener Dienste und ausreichend Ersatzakkus fürs Handy. So wurden aus geplanten 60 Kilometer über 100:

Das Gefühl wenigstens körperlich vorbereitet zu sein, ist einigermaßen beruhigend. Zu wissen, dass ich a) etwas vergessen werde, b) mit Sicherheit zu spät am Flughafen ankommen werde und c) ganz bestimmt nie genug zu essen und zu trinken am Mann haben werde, macht die Unterbuchse ein wenig feucht.

Worauf ich noch so achten muss:

  • Route festlegen
  • Ein neues Fahrrad suchen
  • Was packe ich nur ein?!
  • Die Tour beschreiben

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Liste der Fahrradläden, die ich bei der Suche nach dem perfekten Rad besucht habe

Bike Dudes
Landsberger Allee 53
10249 Berlin
www.bikedudes.de

Goldsprint
Plesser Str. 2
10243 Berlin
www.goldsprint.de

The Gentle Jaunt
Simon-Dach-Str. 20
10245 Berlin
www.thegentlejaunt.com

Bike Punk
Hagelberger Str. 18
10965 Berlin-Kreuzberg
www.bike-punk.com

Velophil
Alt-Moabit 72
10555 Berlin
www.velophil.de

Bikeline
Roennebergstr. 17
12161 Berlin
www.bikeline.net

Antrieb
Grünberger Strasse 12
Berlin, 10243
Telefon: 030 97002229
www.antrieb-berlin.de/

Bikemarketcity
Uhlandstr.63
10719 Berlin
www.bikemarketcity.de

Marc ´O Velo
Sophie-Charlotten-Str. 29
www.marcovelo.com

Radspannerei
Kottbusser Str. 8
10999 Berlin
www.rad-spannerei.de

Fahrradstation
Mehrere Läden in Berlin und Potsdam
www.fahrradstation.com

Fahrrad-Linke
Kastanienallee 10
10435 Berlin
www.fahrrad-linke.de

Radhaus
Mehrere Läden in Berlin und Brandenburg
www.das-radhaus.de

Fahrrad Flöckner am Alex
Karl-Marx-Allee 46
10178 Berlin
www.deinbikestore.de

Stadler
Mehrere Läden in Deutschland
shop.zweirad-stadler.de

Fahrrad Haske
Elcknerplatz 16
12555 Berlin
www.fahrrad-haske.de

pedalum mobile
Brunnenstraße 171
10119 Berlin
www.pedalum-mobile.de

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