Der Coke Light Gärtner, die Gleichberechtigung und der #aufschrei (UPDATE)

http://youtu.be/HuHV4gwSXn4
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Im Grunde halte ich es wie der Herm, der die ganze Debatte gut zusammengefasst hat. Alltagssexismus ist allgegenwärtig und ganz sicher für Frauen ziemlich unangenehm. Da gibt es nichts zu diskutieren. Welche Gegenposition soll es da zu vertreten geben?
Ich muss aber auch zugeben, dass ich bei dem Wort „Feminismus“ zu Unrecht Gänsehaut bekomme und an die Mädchenmannschaft denken muss, die es meiner Meinung nach ab und zu übertreibt und bei mir den Eindruck hinterlässt, dass die Welt erst gut sein wird, wenn alle Männer in Ketten liegen und sich minütlich dafür entschuldigen geboren zu sein. Wie gesagt: Zu Unrecht. Leider gibt es heute viel zu oft einen Grund sich für die Gleichstellung von Frauen einsetzen zu müssen, obwohl wir schon in der Zukunft leben.

Ich hatte hier bis gerade einen ziemlich langen Artikel stehen, in dem ich groß und breit meine Meinung zu Sexismus und Feminismus schrieb. Wahrscheinlich der längste Artikel, seit Jahren. Ich regte mich über Typen auf, die der Meinung sind, dass „Frauen selber Schuld seien, wenn sie sich so anziehen“ und über Frauen, die in jedem Mann einen potenziellen Täter sehen. Diese Art von Sexismus von beiden Seiten finde ich unerträglich und das Problem, das ich bei so manchem selbsternannten Frauenrechtler sehe, ist dass sie die Grenze zum Sexismus schon lange selber überschritten haben. Übertriebende Korrektheit schließt Menschen aus und das macht die Sache auch nicht besser.

Was mir aber auch noch zu denken gibt, sind die Reaktionen auf solche Spots, wie die von Coke. Einerseits regte sich eine Freundin auf, dass das ja wohl eine ganz schlimm sexistische Darstellung wäre und übertrieben und überhaupt und sowieso: Frauen wären ja nicht so dumm, wie in dem Spot dargestellt. Andererseits kann man sich die Reaktion nur zu gut vorstellen, wenn ein Mann die Coladose den Hügel heruntergerollt hätte und eine Gärtnerin mit Cola vollgespritzt: Frauen wären nur Sexobjekte, Männer würden ihre wilden Fantasien auf Zuckerwasser projezieren und blablabla.

Den langen Artikel habe ich am Ende doch gelöscht, weil ich mich fürchterlich über alle aufgeregt habe. Über Männer, die Schuld daran sind, dass Frauen sich unwohl fühlen und Frauen die Schuld daran sind, dass Mänenr sich unwohl fühlen. Über mangelnde Gerechtigkeit, die sich niemals auslöschen lassen wird und darüber, dass Menschen, die es dennoch versuchen, nie den verdienten Respekt bekommen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich kein Mann bin, der die Welt verändern kann, sondern höchstens den kleinen Dunstkreis, in dem er sich bewegt. Mein Bild einer gerechten Welt sähe übrigens so aus, dass Männer über Frauen und Frauen über Männer Witze machen könnten, ohne Angst zu haben auseinandergenommen zu werden. Grenzen würden erweitert werden und bei Überschreitungen wären die Folgen drastischer.

Leider ist mein Bild sowohl unrealistisch (es wird immer jemanden geben, der anklagend den Finger heben und behaupten wird, dass eine gerade Grenze überschritten wurde), als auch vermessen es als das einzig richtige Bild zu sehen. Ihr könnt mich gerne verbessern.

P.S.:
Auch sehr schön auf den Punkt gebracht. Soll ich den Rest auch noch löschen?

Ach…
Nöö…

Noch ein P.S. Da mein Blog in den letzten Jahren, trotz gelegentlicher Übertretungen diverser Geschmacksgrenzen, nie Ziel eines Angriffs von Feministen gewesen ist, bin ich auch dieses Mal ziemlich sicher nicht auf ihrem Radar aufzutauchen. Sollte ich mich täuschen und jemandin verirrt sich hierher: Bitte nicht persönlich werden, keine Gewaltandrohung und wir kommen super miteinander zurecht.

UPDATE
Der mit Abstand beste Artikel zu dem Thema:

Haken wir den Komplex also ab und kommen wir zum #Aufschrei, der sich gerade durch das Netz arbeitet und aufdeckt, dass wir angeblich alle in einem Land von schmierigen Sexisten leben, in dem Frau einfach nur das ist, was Alice Schwarzer schon immer sagte: Opfer der Männer. Ich lebe wohl in einem anderen Land, in einer Parallelwelt. Es nervt, es regt mich auf, gerade als Frau, dass inzwischen jede Lappalie, jede blöde Anmache, jedes Hinterherpfeifen und jeder Blick auf das falsche Körperteil zur falschen Zeit zum Sexismus hochstilisiert wird. Es wird nicht mehr differenziert und damit jede ernsthafte Diskussion im Keim erstickt. Es nervt, weil diejenigen degradiert werden, die tatsächlich Opfer sexistischer Übergriffe werden und die sich nun einreihen müssen in die „Opfer“ von blöder Anmache. Sie gehen gerade unter in einem Meer von Banalitäten, die nichts weiter sind als das alltägliche Balzverhalten zwischen Mann und Frau.