Chris Tall und die Randgruppenwitze. Oder: Krebswitze & Ich

Eigentlich wollte ich nur mal kurz Chris Talls Auftritt bei TV Total verbloggen, aber beim Schreiben ist mir etwas über Randgruppenwitze aus dem Mund eines priviligierten, weißen Mannes eingefallen, das ich mal hinten dran hänge. Gerne also nach dem Video weiterlesen, wenn ihr noch etwas haben wollt, über das ihr Witze machen könnt, wenn wir uns einmal über den Weg laufen.

Chris Talls Auftritt bei TV Total ist jetzt ein paar Mal in meiner Timeline aufgetaucht und ich habe ihn nicht angeschaut, weil: TV Total. Da erwartet man jetzt nicht unbedingt etwas lustiges mehr. Aber so kann man sich täuschen. Tall ist böse, witzig und im Kern steckt ein fetter Klumpen Wahrheit. Und mit „Fett“ meine ich erstmal nicht Chris.

Ein paar Gags sind vorhersehbar („Frauen, ich weiß, ist nicht politisch korrekt. Ok, es sind meistens Menschen mit Menstruationshintergrund.“), aber alles in allem hat er Recht: Man muss auch über Randgruppen Witze machen dürfen, ohne „Darf er das?“ an den Kopf geworfen zu bekommen.

Tall haut einen politisch unkorrekten Gag nach dem nächsten raus und man fragt sich wann empörte junge, weiße Damen aus dem Publikum auf ihn zustürmen und ihn mit ihren ausgedienten BHs erwürgen. Was aber oft nicht verstanden wird: Man darf auch über Rollstuhlfahrer Witze machen, solange man sich nicht selber über sie stellt (höhö…). Und das sagt Chris Tall auch.

Das Allerwichtigste dabei ist allerdings: Man muss auch über sich selber lachen können. Und das ist der große Unterschied zwischen einem rassistischen, sexistischen Arschloch und jemand mit Humor: Witze muss man auch selber ertragen können.

Um es kurz zusammenzufassen: Solange man Witze nicht nutzt, um jemanden zu degradieren, sehe ich persönlich kein Problem in Randgruppenwitze. Wenn ein betroffener Mensch ein Problem mit dem Witz hat, dann sollte man bereit sein zu hinterfragen, ob man zu weit gegangen ist. Ich persönlich rudere dann in einzelnen Fällen zurück, habe aber Verständnis, wenn andere es nicht tun. Auf der anderen Seite würde ich mir von betroffenen Menschen (egal ob tatsächlich betroffen, oder nur emotional betroffen) wünschen, dass sie sich auch die Frage stellen, ob es nötig ist sich aufzuregen.


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Rentenversicherungsangebotsdingse & ich

Privates Rentenversicherungsangebotsdings zugeschickt bekommen. 60 Seiten Geschwurbel, das entweder den Sinn des Lebens, die Weltformel oder die Höhe meiner Rente beinhaltet. Ich könnte es nicht einmal sagen, wenn mein Leben davon abhängen würde.

Wenn ich es richtig verstehe, bekomme ich 263,60€ garantierte Rente, wenn ich die nächsten 30 Jahre 216,07€ im Monat einzahle. Oder knapp 700€. Oder 72.000€. Es können aber auch 1.534,87€ sein. Ich habe keine Ahnung und unterschreibe das jetzt einfach mal.

In 200 Jahren werden Archäologen diese Statusmeldung ausgraben und die Erklärung für den allgemeinen Altersarmut in den 40ern des 21. Jahrhunderts in den Händen halten: „Rentenversicherungsangebotsdingse“.
Nichts zu danken.

Patton Oswald und meine Ausweiskontrolle

Ausweiskontrolle London Gatwick. Der skeptische Blick des Beamten bleibt etwas länger haften, gleitet dann rüber zur Kleinen: „What happened?“
Sie antwortet überrascht „I don’t know! He is so old!“
„Do you want me to keep him?“
Die Kleine lacht. Der Beamte winkt mich mit einem „Don’t blow anything up!“ durch und wuschelt sich mahnend durch den nicht vorhandenen Bart.

Ausweiskontrolle Berlin Schönefeld. Der skeptische Blick des Beamten bleibt etwas länger haften, nachdem er mein bartloses Passbild beäugt hat. Ich setze die Mütze ab, wuschel mir durch den Bart und sage: „Verdammte Schwerkraft! Alles runtergerutscht.“ Er grunzt ein mürrisches „Weitergehen.“

Home Sweet Home.

(Danke für das Video, Kay!)

In eigener Sache: Kunstloses Brot & ich

Die Liste der noch zu erledigenden Dinge, ist soeben um einen halben Punkt kürzer. Auch wenn dieser Punkt sehr weit unten angesiedelt war und damit wichtigere Dinge leider jetzt umso wichtiger sind, bin ich froh, dass Kunstloses Brot soweit online ist, dass ich es nur noch nach und nach befüllen muss.

Plus: Nun sind endlich auch #CAMPICELAND Bilder online. Jetzt fehlt nur noch der Blogbeitrag und die Bewegtbilder, die ich demnächst ganz ganz ganz bestimmt in Angriff nehmen werde.

9. November 1989 & ich

Es passiert ziemlich selten (nie), dass ich etwas teile, was meine Mutter auf Facebook raus haut. Aber das hier kann man mal machen:

„am 9 November 1989 wurde mein Vater 70! Geboren 1919 in Leipzig geflüchtet 1953 mit Frau und 3 Kindern, bevor die Stasi sie verhaften konnte. Der Rest der Familie ist dageblieben, doch 1989 war es nun möglich jeder Zeit sich gegenseitig zu besuchen! Ich habe noch nie meinen Vater so glücklich gesehen, denn wir jüngeren Kinder wurden in Ost-Westfalen geboren und kannten nur das geteilte Deutschland! Mein Lieblings-Onkel aus Leipzig konnten auch meine eigene kleine Familie und ich jetzt jeder Zeit besuchen! Wir leben nicht nur ein vereintes Deutschland in unserer Familie, wir leben ein vereintes Europa; denn die Familie teilt sich in Great Britain, teils in den Nederlanden und auch in Spanien .“

Die Post & ich – Im Fadenkreuz der Postboten

Heute Morgen hatte ich einen abgeschnittenen Pferdekopf im Briefkasten. Es war ein sehr kleiner Pferdekopf, aber ich war beeindruckt wie der Postbote den Kopf in den Briefkasten bekam, ohne ihn zu knicken. Es könnte allerdings auch sein, dass der Bote versuchte mir als Wiedergutmachung ein ganzes Pferd in den Briefkasten zu stecken und der Rest ist einfach abgebrochen. Das fände ich wiederum einen sehr netten Ansatz, nachdem er/sie meine Post zerstört hat. Ich will hier allerdings nichts unterstellen, denn ich stehe unter Beobachtung.

Wir hatten mal einen richtig netten Postboten. Das hat mir die Kleine erzählt, die ihn mal kennengelernt hat. Er ist bis in den vierten Stock gelaufen und hat sie darauf hingewiesen, dass unser Namensschild am Briefkasten verschwunden ist. Wenn ein Brief zu groß war, stellte er den Brief entweder auf die Postkästen, oder (nachdem Diebe sich Zutritt zum Haus verschafft und unsere Post geklaut haben) hinterließ eine Notiz, wo man sich den Umschlag abholen könne. Als es mal im Untergeschoss brannte, rannte er hinein und rettete zwei Einhörner und ein kleines Katzenbaby. Er war ein toller Postbote und er fehlt uns sehr.

postIrgendwann wurde er wohl ersetzt, denn unsere Post landet nun gelegentlich beim Nachbarn und seine Post bei uns. Das kann aber auch mal passieren, ist ja nicht schlimm und außerdem haben wir alle sehr gelacht, als unser Nachbar meine Kontoauszüge öffnete und ich stattdessen die Nacktfotos seiner Großmutter in den Händen hielt. Allerdings, wenn größere Briefe uns erreichen, werden sie teilweise unter größerer Kraftanstrengung in den Briefkasten gedrückt. Ich freue mich natürlich, dass unser Postbote sich körperlich fit hält, aber ich finde es eher so mittel, dass er seinen Bizeps an größeren Umschlägen trainiert.
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Der Tod des Klemmbrettmessias & ich

Dem Schrei des Hipster-Mädchens ging das nasse Klatschen von Fleisch auf Asphalt voraus. Ein Blutspritzer war auf ihr Jutebeutel gelandet, als ich den Arm des vermeintlichen Tierschützers fallen ließ und zufrieden mein Werk betrachtete: Reglos lag der junge Mann vor mir und dort wo bis vor wenigen Minuten ein dümmliches Grinsen zu sehen war, klaffte sein Klemmbrett aus dem aufgequollenen Fleisch.

Ein blondes, in etwa fünfjähriges Mädchen trat aus der applaudierenden Menge und sah zu mir hoch. Sie schien keine Angst vor mir zu haben, als sie mir einen Blumenstrauß überreichte. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Es war ein dankbares Lächeln.
Nach ein paar Minuten frenetischen Applaudierens löste sich die Menschenmenge auf und verstreute sich über den Alexanderplatz. Die übrig gebliebenen WWF-Vertreter, die ich mit einem zufällig bei mir geführten Spanngurt an eine Laterne gebunden hatte, zitterten in der Abendsonne. Jeder vorbeigehende Passant spuckte ihnen ins Gesicht und der Speichel vermischte sich mit den Tränen der 400 Euro Nervensägen.
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